Punkrocker der Heimorgelspieler

Mambo Kurt Foto: © Martin Steffen

Mambo Kurt Foto: © Martin Steffen

King of Heimorgel, Orgelgott, Alleinunterhalter – Mambo Kurt trägt viele Titel. Doch der liebste ist ihm „Entertainer“. Der Bochumer ist bekannt für seine Orgelinterpretationen von Schlager bis Thrash Metal, von Scooter bis Sex Pistols. Schon seit 2004 ist er Stammgast beim Metal-Festival Wacken Open Air. Bevor Rainer Limpinsel sich in Mambo Kurt verwandelte, studierte er an der Ruhr-Universität Bochum Medizin und arbeitete anschließend anderthalb Jahre lang als Chirurg. Sein Debüt als Mambo Kurt feierte er 1999 mit dem Album „Return Of Alleinunterhalter“.

 

Wie verläuft eine Karriere vom Chirurgen zum Künstler?

Mambo Kurt: Das war einfach: Ich war immer schon Hobbymusiker, jetzt bin ich eben Berufsmusiker. Das Leben ist kurz. Und ich bin kein Planungsfanatiker. Als ich 1999 eine Anfrage von RTL erhielt, für die Fernsehsendung „Veronas Welt“ für die musikalische Untermalung zu sorgen, habe ich das einfach gemacht. Ein Jahr lang. Das gibt es außerdem nicht selten, dass Mediziner als Künstler arbeiten.

 

Welche Musik macht Mambo Kurt?

Ich arbeite fernab aller Strömungen. Ich bin nicht festgelegt. Meine Musik funktioniert sogar sehr gut auf Metalfestivals wie dem Wacken Open Air: Wenn ich da einen Scooter-Song spiele, formen die Leute eine Polonäse und dancen ab.

 

Wie ist dein Name Mambo Kurt entstanden?

Reiner Zufall: Auf der Bühne habe ich aus meinem Album „The Return of Alleinunterhalter“ das Lied „Come as you are“ von Nirvana gespielt. In der Musikart Mambo. Der Vorname des Sängers von Nirvana ist eben Kurt. So ist Mambo Kurt entstanden. Der Name ist so bekloppt, dass ich zuerst damit gehadert habe. Heute sage ich: Es ist ein einzigartiger Name, ein griffiger, einer, den sich jeder merken kann und der auch international problemlos funktioniert. Mittlerweile trage ich ihn gern. Er ist mein Alleinstellungsmerkmal.

 

Welcher Berufstitel passt am besten zu deiner Arbeit?

Entertainer. Das ist mir am liebsten. Danach kommt der Titel „Lustiger Musikant“.

 

Welche Musik hörst du selbst gern?

Ich höre nichts. Seit 1986 höre ich keine Musik mehr. Seitdem habe ich keine Stereoanlage mehr. Ich fahre auch ohne Radio Auto.
Lieder für meine Shows höre ich auf den Partys, auf denen ich auftrete. Dadurch bekomme ich viele Anregungen. Es gibt Zeiten, die zeichnen sich auf Partys durch die immerwährenden gleichen Songs und Bands aus. Früher war das zum Beispiel immer wieder Héroes del Silencio und aus jüngerer Zeit Songs von Kings of Leon.

 

Deine erste Platte?

Meine erste Platte war Maid of Orleans von Orchestral Manoeuvres in the Dark. 1982.

 

Wer sind deine Lieblingsmusiker?

Ich mag Rammstein, Sepultura und auch Depeche Mode. Ich mag eigentlich alles – von Elektro über Metal bis Klassik. Ich bin crossover. Ich habe da kein Schubladendenken. Ich mag auch die Kastelruther Spatzen. Ein richtig geiler Sound ist das. Ich stelle mir vor, wie es wäre mit den Kastelruther Spatzen, Slayer, Scooter und Bob Marley zugleich auf der Bühne zu stehen – wenn letzterer noch leben würde.

 

Wie bist du zum Orgelspielen gekommen?

Mein Vater hat sich 1975 eine Orgel gekauft. Ich fand den Sound einfach geil. Ich habe dann in einer Hagener Orgelschule das Orgelspielen gelernt. Ich habe schon immer Vollgas gespielt. Mit so einem Punkrock-Anschlag. Ich bin der Punkrocker unter den Heimorgelspielern.

 

Welche Höhepunkte hast du als Mambo Kurt erlebt?

Das Budapester Sziget war ein Erlebnis: Dort habe ich von 1999 bis 2003 jedes Jahr vor 40.000 Leuten gespielt. Sehr schön war das. Einmal habe vor Iggy Pop gespielt und sogar beim Pinkeln neben ihm gestanden. Ein Erlebnis war auch das Rock-am-Ring-Festival. Aber auch die kleinen Ereignisse sind lustig: Bei einem Fußball-Fantreffen habe ich ohne Bühne gespielt, vor 150 Leuten auf einem Parkplatz. Die Leute haben Stagediving auf dem Boden gemacht. Verrückt. In Norwegen hat mir mal eine Frau ihren Ehering auf die Orgel gelegt. Den habe ich eine Zeit lang als Kettenanhänger getragen.
In Fernsehsendungen aufzutreten ist auch schön. Oder im Theater. Ich suche mir immer neue Herausforderungen. Eigentlich ist alles toll, was ich das erste Mal tu. Ich bin jedenfalls kein Nine-to-five-Typ.

 

Welche Schattenseiten hat der Beruf des Alleinunterhalters?

Wenn Otto Normal in den Partymodus switcht, arbeite ich. Das ist für mich jedes Wochenende der normale Wahnsinn. Auch: Ich bin Außendienstler. Jeder Künstler ist Außendienstleister und muss regelmäßig von A nach B fahren. Bei mir geht eben immer die Orgel mit. Die muss transportiert werden. Das ist ein Nachteil. Aber ich reise gern. Schattenseiten? Nein. Mein Job hat keine Schattenseiten. Ich habe ein schönes Leben.

 

Hast du Vorbilder?

Ich mag die alten Heroes der Heimorgelwelle. Franz Lambert zum Beispiel. Ansonsten bin ich berühmt dafür, einen Scheißdreck auf andere Leute zu geben. Nein, ich habe keine Vorbilder.

 

Was planst du für die Zukunft?

Ich würde gern mal einen Orgelpart bei Rammstein spielen.
Aber ganz konkret baue ich momentan eine Orgel aus Karbon. Die muss für einen Flug unter 32 Kilo schwer sein. Damit will ich nach Japan fliegen und vor meinem Fanclub in Tokio spielen. Der hat aktuell 15 Mitglieder. Leider kann ich momentan mit meiner Orgel nicht einfach in ein Flugzeug steigen. Das wäre unbezahlbar.
Ansonsten ist kein Ende in Sicht. Was die Stones können, kann ich schon lange.

Interview erschienen 2013 auf labkultur.tv

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