Für ein gutes Sicherheitsgefühl

Interview mit Polizeipräsident Frank Richter

Im Januar 2019 waren 1.300 Polizist*innen bei der massivsten Razzia gegen organisierte Kriminalität in NRW im Einsatz – auch in Essen. Essens Polizeipräsident Frank Richter geht schon lange verschärft gegen Clans vor und spricht von einer „Taktik permanenter Nadelstiche“. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit ist das Thema Sicherheit und Einbruchsschutz. Dazu habe ich ihn für das Allbau-Magazin „Mein Zuhause“ interviewt.

„Einbruchsdelikte sind mehr als ein Versicherungsschaden“, sagt Frank Richter, „und mehr als nur ein Strich in unserer Straftatenstatistik. Hier geht es um das Sicherheitsgefühl.“ Für mehr Sicherheit sollten wir beim Einbruchschutz wichtige Verhaltenstipps beherzigen – und wir sollten gegenseitig auf uns achten.

Herr Richter, wie viele Wohnungseinbrüche haben Sie 2016 in Essen im Vergleich zu den Vorjahren registriert und worauf fuhren Sie das Ergebnis zurück?

Frank Richter: Wir haben rund 2.200 Wohnungseinbrüche registriert – 811 Straftaten weniger als 2015. Ein erheblicher Rückgang dank unseres Fünf-Punkte-Programms: Wir haben beispielsweise massiv kontrolliert und es gerade den organisierten Banden so ungemütlich wie möglich gemacht. Unsere Maßnahmen haben Wirkung gezeigt.

Was bedeutet ein Einbruch für das Opfer?

Frank Richter: Ein Einbruch bedeutet einen ungeheuren Einschnitt in das Privatleben. Dabei geht es weniger um den materiellen Wert – den ersetzt üblicherweise die Versicherung – sondern schlimmer ist: Die Menschen sind danach extrem verunsichert und haben Angst. Es bleibt ein unsicheres Bauchgefühl. Wir nehmen das Sicherheitsgefühl der Menschen sehr ernst.

Für ein gutes Sicherheitsgefühl – Interview mit Polizeipräsident Frank Richter
„Für ein gutes Sicherheitsgefühl“. Das Interview mit Polizeipräsident Frank Richter für das Allbau-Magazin „Mein Zuhause“.

Was macht einen typischen Einbrecher aus und worauf hat er es abgesehen?

Frank Richter: Den klassischen Einbrecher gibt es nicht. Uns stellt sich in Essen ein heterogenes Bild dar, zum Beispiel Menschen, die sich durch Beschaffungskriminalität ihren Drogenkonsum finanzieren oder mit Einbrüchen ihren Lebensunterhalt verdienen. Und es gibt hochprofessionelle und straff organisierte Banden, die oft nicht aus Essen kommen. Sie stehlen vor allem Tablets, Handys, Bargeld und Schmuck – Dinge, die leicht zu transportieren sind und komplikationslos weitergegeben werden können.

Welche sind die häufigsten Irrtümer über Wohnungseinbrüche?

Frank Richter: Irrtum ist, zu glauben, weil Sie in der zweiten Etage wohnen, wären Sie sicherer oder es werde nur nachts eingebrochen. Im Gegenteil: Tageswohnungseinbrüche passieren häufiger. Auch haben es Täter nicht nur auf vermeintlich betuchte Wohngegenden abgesehen. Nein, sie brechen dort ein, wo sie mit wenig Widerstand rechnen – also auch in normale Mietwohnungen.

Wie mache ich meine Wohnung einbruchsicher?

Frank Richter: Die technische Sicherung der Wohnungen spielt eine entscheidende Rolle. Denn wenn Täter nicht innerhalb einer Minute in der Wohnung sind, geben sie meist auf. Wichtig sind sichere Haus- und Wohnungstüren, Fenster mit Pilzköpfen, Gegensprechanlagen, Zeitschaltuhren, Bewegungsmelder und eine gute Beleuchtung. Licht ist das A und O.

Welche Rolle spielt die Kooperation mit Allbau bei der Prävention?

Frank Richter: Der Dialog und der Austausch zwischen Wohnungsgesellschaft und der Polizei ist sinnvoll und notwendig, zum Beispiel für die Kommunikation von Verhaltensregeln. Die Allbau-Gruppe zeigt, dass sie das Thema Sicherheit als wichtig erkannt hat. Ich würde mir wünschen, dass dies alle Essener Vermieter tun. Ich wünsche mir außerdem eine gesetzliche Standardisierung zum Einbruchschutz. Es reicht nicht, nur Empfehlungen auszugeben. Zwar kann man nicht alle Bestandswohnungen umrüsten, aber bei Großrenovierungen und Neubauten sollten Sicherheitsvorgaben gelten, zum Beispiel zu Schutzklassen für Haus- und Wohnungseingangstüren oder zu Fenstern mit speziellen Verriegelungen. Allbau macht das ja bei umfassenden Maßnahmen bereits freiwillig.

Welche Verhaltenstipps für einen guten Einbruchschutz sollte man beachten?

Frank Richter: Jeder hat eine Verpflichtung, auf sich zu achten. Wir müssen unser Verhalten darauf ausrichten, es Einbrechern so schwer wie möglich zu machen. Wenn Sie das Haus verlassen, auch nur kurz, schließen Sie die Fenster ganz – belassen Sie sie nicht auf „Kipp“. Schließen Sie Ihre Wohnungstür immer ab. Bei längerer Abwesenheit oder wenn Sie in den Urlaub fahren, informieren Sie bitte Ihre Nachbarn, damit sie einen Blick auf fremde Menschen im Hausflur haben und Ihren Briefkasten leeren. Ein weiterer Tipp: Täter haben sich auch auf soziale Netzwerke spezialisiert, deshalb stellen Sie bitte keine Abwesenheitsmeldungen auf Facebook ein und posten Fotos erst nach dem Urlaub. Ganz generell: Sprechen Sie mit Ihren Nachbarn und pflegen Sie eine gute Nachbarschaft.

Herr Richter, vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person: Frank Richter

Frank Richter ist seit April 2015 Polizeipräsident in Essen – mit rund 2.200 Beschäftigten eines der größten Polizeipräsidien in NRW – und damit verantwortlich für die Sicherheit von mehr als 740.000 Menschen in Essen und Mülheim an der Ruhr.

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