Kohle und Stahl, Taubenschlag und Bier, Bude und Schrebergarten, und natürlich Fußball – das sind die Koordinaten im Leben des Ruhrpöttlers. Doch die Realität hat das Klischee eingeholt.

Kohle und Stahl sind mittlerweile Weltkulturerbe, statt in den Taubenschlag klettern die Menschen auf Bergehalden und statt Bier tanken sie in der Brauerei Kunst.
Jenseits der Bergmannsklischees stelle ich euch drei Tipps für eine Kulturreise an einem Wochenende durch das Ruhrgebiet vor.



Bitte einsteigen! Geht auf eine Kulturreise mit der Straßenbahn!

Verschafft euch am Freitag mit der Essener KulturLinie 107 einen ersten Überblick über Essens Stadtkultur. Entlang der 17 Kilometer langen Strecke reihen sich 57 kulturelle Sehenswürdigkeiten aneinander: zum Beispiel das UNESCO-Welterbe Zollverein, das mittelalterliche Münster und der Domschatz, die Alte Synagoge, das Aalto-Musiktheater  und das Museum Folkwang. Ihr könnt an jeder Haltestelle ein- oder aussteigen. Auf der HörTour 107 lauscht ihr außerdem den Audiobeiträgen zu Geschichte, Bauwerken und -stilen, Architekten, Museen, Theater, Industrie und Natur. So lässt sich die Stadt kulturell bestens erfahren.

Entdeckt Kultur auf Halden!

Sie sind die Berge des Ruhrgebiets: Halden. Sie sind Abfallprodukte des Steinkohlebergbaus. Das unter Tage anfallende taube Gestein, das für die Weiterverarbeitung unbrauchbar war, wurde als Abraum zu Halden aufgeschüttet. So entstanden mehr als 100 künstliche Hügel im Ruhrgebiet. Ob auf den Bottroper Halden Haniel und Beckstraße oder auf der Essener Schurenbachhalde – auf den Haldentops entdeckt ihr spannende Kunstwerke namhafter Künstler, zum Beispiel die 67 Tonne schwere Skulptur „Bramme für das Ruhrgebiet“ des „Poeten der Schwerindustrie“ Richard Serra, die die Halde Schurenbach krönt.

67 Tonnen schwer ist die Skulptur „Bramme für das Ruhrgebiet“ von Richard Serra auf der Halde Schurenbach. Foto: Sandra Anni Lang
67 Tonnen schwer ist die Skulptur „Bramme für das Ruhrgebiet“ von Richard Serra auf der Halde Schurenbach. Foto: Sandra Anni Lang

Übrigens findet ihr eine weitere Landmarke Serras vor dem Bochumer Hauptbahnhof: seine fast 100 Tonnen schwere Stahl-Skulptur Terminal. Der „teure Stahlschrott” erhitzte damals die Bochumer Gemüter.

Auf der Halde Beckstraße der ehemaligen Zeche „Prosper II“ könnt ihr den Tetraeder begehen. Die Stahlkonstruktion „Haldenereignis Emscherblick“ hat die geometrische Form einer dreiseitigen Pyramide und ruht acht Meter über dem Boden auf vier Betonsäulen. Eine Treppe mit 387 Stufen führt euch zu drei Aussichtskanzeln.

Mit 159 Metern eine der höchsten Abraumhalden ist die Halde Haniel. Auf dem Gipfel findet ihr ein Amphitheater und die Installation aus Eisenbahnschwellen „Totems“ des Malers und Bildhauers Agustín Ibarrola.

Auf Halde Beckstraße könnt ihr den Tetraeder begehen. Die Stahlkonstruktion „Haldenereignis Emscherblick“ hat die geometrische Form einer dreiseitigen Pyramide und ruht acht Meter über dem Boden auf vier Betonsäulen. Foto: Sandra Anni Lang
Auf Halde Beckstraße könnt ihr den Tetraeder begehen. Die Stahlkonstruktion „Haldenereignis Emscherblick“ hat die geometrische Form einer dreiseitigen Pyramide und ruht acht Meter über dem Boden auf vier Betonsäulen. Foto: Sandra Anni Lang

Lasst euch von Lichtkunst erleuchten!

Am Sonntag lege ich euch das Zentrum für Internationale Lichtkunst in den Gewölben der stillgelegten Lindenbrauerei Unna ans Herz. Es ist das weltweit erste und einzige Museum, das sich ausschließlich der Lichtkunst widmet. Zwölf international bekannte Lichtkünstler haben für den Gewölbekeller eine ständige Ausstellung eingerichtet, darunter James Turrell und Olafur Eliasson. Im Brauereikeller trifft avantgardistische Lichtkunst auf historische Bausubstanz – das schafft eine ganz besondere Atmosphäre.

Fazit:

Ob Licht – und Haldenkunst oder auf Kulturreise mit der Straßenbahn – im Ruhrgebiet entdeckt ihr abseits der Klischees rund um Kohle und Stahl eine Menge Kunst und Kultur. Entdeckt das Ruhrgebiet neu!

Schlagwörter

Halden · Lichtkunst · Ruhrgebiet

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